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Fünfte Station: Die Bühnen der Hanseaten

Fünfte Station: Die Bühnen der Hanseaten

Hamburg als Bühnenbild: Was damit gemeint ist, verstehen Sie vielleicht, wenn Sie mal mit dem Zug in die Hansestadt kommen und nicht am Hauptbahnhof aussteigen (neben der Elbtunnelsünde der zweite große Fehler, den Neuankömmlinge gern begehen), sondern eine Station weiterfahren, zum Bahnhof Dammtor.
Bis zum Hauptbahnhof sehen Sie nämlich nichts weiter als die übliche Industriebrache von Güterbahn, Siloturm und Hafenkai, alles leicht angeschmuddelt und ziemlich öde. Hamburg präsentiert sich bis dahin als kühle Handelsmetropole, als größter deutscher Industriehafen, als Warenlager, als Durchgangsstation. Und eigentlich möchte man nur eins: schnell wieder weg.
Setzt sich der Zug jedoch nochmals in Bewegung, rollt er über die Alster und plötzlich weitet sich der Blick: Nach links eine edle Häuserzeile mit Büros, Hotels und hinten dem spitzen Rathausturm. Ausflugsdampfer legen ab, eine Fontäne sprüht wie ein Kurhausbrunnen im Regenbogen über die Dächer. Auf der rechten Seite dümpeln Dutzende Segelboote herum, überall Grün, überall Wasser. Wo man eine Zwecksiedlung der neudeutschen Dienstleistungsgesellschaft erwartet, findet sich eine verwöhnte Diva, die jede Geste, jeden Einblick genau berechnet hat und sich mit der Eleganz einer soignierten Dame präsentiert.
Die Schaufront auf der Alsterbrücke funktioniert zu jeder Tageszeit: An diesigen Morgen wirkt die Stadt geheimnisvoll umnebelt und fahl. Im Regen wie ein feuchter skandinavischer Wald mit einem See, auf dem stoische Ruderer ihr Programm durchziehen. Nachts blinken alle Lichter doppelt im Widerschein der weiten Wasserfläche.
Showplatz Hamburg: Bühne frei für den ersten Akt.
Die Alster: Ursprünglich als strategisches Staubecken angelegt, das Wasser abhalten und gleichzeitig als Sicherheitsgraben fungieren sollte, erlebt man die Außenalster heute als Mischung aus träger Nachmittagsbrise und Müßiggang inmitten einer geschäftigen City. Hier holt man sich wahlweise Komplimente, die sprichwörtliche leichte Segelbräune, einen Korb oder einfach ein Eis. Im Schatten der legendären Weltklassehotels »Vier Jahreszeiten« und »Kempinski Hotel Atlantic« das 1909 eigens für Passagiere der Luxusliner errichtet wurde, die damals noch den Atlantik kreuzten (und in dem Dauergast Udo Lindenberg auch heute noch residiert) läßt sich wundervoll flanieren, und mit etwas Glück überholen einen sogar Jon Bon Jovi oder Madonna beim Joggen. Die anderthalbstündige Alsterumrundung zu Fuß ist nicht nur gut für die Gesundheit, sondern auch fürs Selbstbewußtsein: Straßennamen wie Bellevue, Schwanenwik oder Schöne Aussicht lassen schon auf dem Stadtplan erahnen, daß rund um die Alster eine Menge Geld zu Hause ist. In den bevorzugten Wohngebieten der Stadt mit großbürgerlichen Privatvillen, Etagenhäusern aus der Gründerzeit und gut hundertfünfzig Konsulaten und konsularischen Vertretungen (mehr davon gibt es nur in New York) fühlt man sich gleich ein paar Gehaltsklassen besser was einige dazu verleitet, den Stadtteil Pöseldorf, in dem beispielsweise auch Jil Sander wohnt, häßlich als »Schnöseldorf« zu verballhornen oder aus dem JournalistenStadtteil Eppendorf »Deppendorf« zu machen. Im Gegenzug wird das Arbeiterviertel Barmbek zu »Armbek«, aus Ottensen (damals Altonas arme Schwester) »Mottensen« oder »Mottenburg« und aus dem Bahnhofsviertel Hammerbrook »Jammerbrook« oder noch schlimmer »Hammerbronx«.
Die Schlacht Arm gegen Reich ist mittlerweile zu einer fast niedlichen Art des Volkssports in Hamburg geworden und manifestiert sich unter anderem im Volksparkstadion oder am Millerntor. Nämlich immer dann, wenn der gutbürgerliche HSV gegen die KiezKicker von St. Pauli antritt. Denn dann spielen nicht nur zwei Mannschaften gegeneinander, sondern das System, die Geldmaschine, der Goliath gegen den Underdog, den Mann von der Straße, der das Herz noch auf dem vermeintlich rechten Fleck trägt. Jungfernstieg gegen Hafenstraße, Jever gegen Astra, Shrimps gegen Schaschlik. Irgendwie ist es in Hamburg auch der Kampf Ost gegen West. Zumindest, was die Wohngegend angeht: Hamburger unterscheiden die Gebiete westlich der Alster nämlich deutlich von denen östlich der Alster. Denn hier spielt das „weiße“ Hamburg gegen das „rote“ Hamburg. Die Alster dazwischen fungiert als unüberwindbarer Graben zwischen den Fronten, der selbst mit zweieinhalb Metern noch zu tief ist. Westlich der Alster liegt das »weiße«, das schicke Hamburg. Die vornehme Dreizehn und die edle Zwanzig. Vor Einführung des neuen Postleitzahlensystems (dessen Etablierung die Bewohner der Stadtteile Rotherbaum, Harvestehude und Eppendorf noch immer verdammen) war allein der Absender »2000 Hamburg 13« oder »2000 Hamburg 20« so etwas wie ein Adelstitel: Eine zweistellige Zahl trennte die Spreu vom Weizen, prachtvolle Gründerzeitvillen und gediegene Straßenzüge von klotzigen Backsteinbauten und zweckmäßigen Arbeiterwohnquartieren.
Das rote Klinkergesicht des Hamburger Ostens geht auf die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts zurück. Entlang den schiffbaren Kanälen, die von der Außenalster in die Stadtviertel Winterhude, Barmbek und Wandsbek führten, siedelten seit Ende des 19. Jahrhunderts neue Industriebetriebe, oft Zulieferer für die großen Werften im Hafen. Genossenschaften sorgten für den Bau von Arbeiterwohnquartieren, die, sofern sie im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, mit Klinker auch wieder aufgebaut wurden. Deshalb gilt auch heute noch: Im Westen ist’s am besten. Zumindest, was die Wohnqualität angeht. Das Spannungsfeld zwischen den Polen »arm« und »reich« macht die Stadt nicht nur reizvoll, es leistet auch einen wichtigen Beitrag zur sozialen Demokratisierung: Alle Versuche zum Beispiel, in Hamburg dauerhaft eine blasierte Schickeria nach Münchner Vorbild zu etablieren, sind in den vergangenen Jahren kläglich gescheitert. Zwar gibt es stetig wechselnde »InTreffs« der Reichen, Schönen und Prominenten. Doch nach einer Weile fällt selbst dort das gemeine Volk aus Pinneberg, Quickborn, Eidelstedt oder Winsen an der Luhe ein. Zumindest für kurze Zeit. Dann kann der Publikumsverkehr nach alter hanseatischer Methode geregelt werden nämlich diskret über den Preis. Oder durch eine hochgezogene Augenbraue. Etwa dann, wenn der Gast braune Schuhe zum blauen Anzug tragen sollte. Aber zurück zum Schauplatz Alsterufer: Weiße Villen, die je nach Zeitenlauf Reederfamilien, eine Preußische Gesandtschaft, NSHerren oder Konsuln befreundeter Nationen beherbergten, säumen das Wasser. Eines der auffälligsten Bauwerke dort ist das Generalkonsulat der USA, dessen Säulenhalle vor dem Haupteingang der des Weißen Hauses nachempfunden ist. 1882/83 von Martin Haller errichtet, gehörte das Haus Nr. 27 zunächst dem Kaufmann Wilhelm Riedemann, Gründer der ESSOPetroleumgesellschaft. 1933 zog dann die Gauleitung der NSDAP dort ein und 1950 schließlich das USamerikanische Konsulat. Vor dem Haus mit der bewegten Geschichte ziehen heute jedenfalls bedeutend schönere Frauen ihre Runden als Monica Lewinsky, und das ist in Hamburg alles, was zählt.
Ihre Runden ziehen dort auch die berühmten Alsterschwäne, genau 131 an der Zahl, die den ganzen Tag nichts anderes zu tun haben als repräsentativ herumzuschwimmen. Betreut wird das edle Federvieh von einem sogenannten »Schwanenvater«, der dafür zuständig ist, daß es den Schwänen an nichts fehlt. Im Spätherbst fängt er dann seine Schützlinge von der Alster und bringt sie ins Winterquartier im nahe gelegenen Eppendorfer Mühlenteich, wo sie es warm haben. Und weil die Hamburger gerührt sind von so viel Fürsorge, gibt es jedes Jahr ein neues Foto im »Hamburger Abendblatt«. Davon, wie Harald Nieß (so heißt der Schwanenvater) mit seinem Boot vor den Schwänen herfährt und damit die Vertreter einer alten hanseatischen Tradition übersiedelt. Diese Tradition heißt Freiheit, und wenn’s um die geht, haben Hamburger sich schon immer mächtig ins Zeug gelegt. Vor ein paar Jahrhunderten, als das Halten von Schwänen ein nicht jedem zustehendes Privileg war, dienten sie den Hamburgern als Symbol ihrer staatlichen Unabhängigkeit gegenüber den vor den Stadtmauern herrschenden Dänen.
Überreste dieser Herrschaft finden wir noch an unserem nächsten Schauplatz: Blankenese. Ein Stadtteil, der, wie Altona, lange dänisch war und die Beschaulichkeit eines dänischen Landstädtchens souverän mit der Erhabenheit mediterranen Panoramas verbindet. So sieht der Süden im Norden aus: Stege und Terrassen, Treppen und Serpentinen schlängeln sich verspielt durch bunte Häuschen und sandige Hügel; kleine Kioske, Cafés und der Geruch von Sonnenöl wecken Urlaubsgefühle. Nur vierzehn Kilometer von Hamburgs Stadtmitte entfernt, ist die »Perle an der Unterelbe« heute bevorzugter Wohnort der Wohlhabenden, Künstler und Prominenten. Hier findet man keine Spritzen in Parks, höchstens Spuren von Kokain auf den Toiletten der Luxusrestaurants. Das ehemalige Fischerdorf, das im 19. Jahrhundert ausschließlich Wohnort für Hochseefischer, Kapitäne, Lotsen und Schiffbauer gewesen ist (was die zahlreichen reetgedeckten Häuschen am Hanggebiet erklärt), wurde schnell in die große Palette Hamburger Stimmungen integriert als Künstlerdorf, musisches Refugium und Luxusidyll. Wer hier wohnt, hat es geschafft. Oder tut zumindest so. Was im Grunde dasselbe ist. Im »Café Lühmann« bestellt man sich zum Nachmittagstee englische scones mit clotted cream, und very British flaniert man danach durchs Dorf, das konsequent an jeder zweiten Ladenfront englische Beschriftungen aufweist.
Der feine Streifen historistischer Villen, der sich bis Blankenese zieht (und mit dem sich Rathausbaumeister Haller und seine Kollegen zwischen 1870 und 1914 gutes Brot verdienten), gehört immer noch zu den teuersten und erlesensten Wohnadressen Deutschlands. Allein entlang der Eibchaussee kann man eine halbe Stunde bei gutem Tempo die Villen am Autofenster vorbeiziehen sehen, von denen aus die Hamburger Reeder und Händler seit zweihundert Jahren den besten Blick auf die vollgeladenen Schiffe genießen, die ihnen neuen Profit in die Stadt bringen. Hier, und nicht in der Hafenstraße oder den Arbeitervierteln am Hafen, wohnt die Macht. Die hamburgische Erfindung einer durch und durch konservativen Sozialdemokratie man denke an Helmut Schmidt, Max Brauer, Hans Apel, Henning Voscherau oder den stilsicher reingeschmeckten Klaus von Dohnanyi sichert dem Ensemble seine Dauerhaftigkeit: Hunderttausende von proletarisch geprägten Familien stimmen für eine gemäßigte TechnokratenElite, die nicht ohne Duldung der Pfeffersäcke existieren kann. Das ergibt einen Mix, der es nach dem Niedergang der Ruhrgebietsgenossen als einziges Milieu der Republik an Stabilität mit der genialen Machtbalance der CSU in Bayern aufnehmen kann, nur daß die Hamburger ihren genuinen Beitrag zum deutschen Föderalismus nicht so grobianisch an die große Glocke zu hängen pflegen.
In ihren wundervollen Gründerzeitvillen sind die ökonomischen, medialen und politischen Herren von Hamburg allzeit Dörfler geblieben. Nicht grundlos hält man sich bis heute fast ohne Ausrutscher an das Verbot, ein Haus höher zu bauen als den Rathausturm. Dadurch wurde Hamburg zur einzigen Metropole europäischen Rangs ohne Hochhäuser auch dies verankert den maßvollen, bürgerlichen Charakter der Stadt im Seelenleben ihrer Bewohner gründlicher als alle Manifeste.
Wo in anderen Großstädten absolute Duodezfürsten willkürliche Sichtachsen und Schlösser wie Sperrgürtel in die Urbanistik zogen, setzte Hamburg einen geruhsamen Speckgürtel von gediegener Wohnbebauung an, der sich inzwischen knapp fünfzig Kilometer um die City spannt. Hier gibt es keine Adelspaläste und keine Jagdschlößchen, sondern hunderttausendfach den gebauten Traum des ehemals bäuerlichen Neusiedlers: ein Ziegelhaus im Grünen, gelinde zugewuchert und mit Autostellplatz. Wenn man morgens das Fenster öffnet, strömt die Salzluft herein, die der Strom ins Land trägt.
Trotz seiner dichten Bevölkerung durch knapp zwei Millionen Menschen ist Hamburg im Grunde immer luftig, grün und weiträumig geblieben. Zudem nutzt die Bourgeoisie das gewaltige Umland seit je als Freizeit und Gemüsegarten. Im Sommer behandelt die übrigens für eine Medienmetropole ausgesprochen erbärmliche Hamburger Tagespresse Nachrichten aus Sylt im Lokalteil. Timmendorfs Strand ist in Händen der sonnenhungrigen Stadtjugend, und die Ferienhäuser an der holsteinischen Seenplatte, auf der windumtosten Halbinsel Eiderstedt und in der Nordheide gehören am Wochenende den Hamburgern. Der knorrige Altkanzler Schmidt, der unter der Woche ein Leben lang mit Vorliebe als Weltökonom und Staatsmann auftrat, verkörpert den typischen Homo hanseatensis: Zwischen den Terminen setzte er sich auf seine Jolle und segelte den abgelegenen Brahmsee rauf und runter. Man kann bis ins Wendland im verlassenen Elbbogen fahren vor jedem zweiten der aufwendig restaurierten Rundlingshöfe wird man ein Auto mit Hamburger Kennzeichen finden. Hamburg, das Geheimnis verrät die Stadt nicht beim ersten Kennenlernen, findet auf dem Dorfe statt.
Der ganzen Welt haben die Bewohner ihr Gemeinwesen, das seit der deutschen Einheit und dem wiedergewonnenen Hinterland entlang der Elbe mehr prosperiert denn je, als scharf kalkulierende City verkauft, deren kulturelle und ökonomische Aktien gleich hinter London notiert werden. Hier, so scheint es, hört dieses föderalprovinzlerische Deutschland endlich einmal auf, Krähwinkel zu sein. Ein Hanseat von der Elbe hat sein Kapital in Fernost angelegt, schaut politisch und bei der Wahl seiner Jacketts über die Nordsee nach Britannien und hat die Verhältnisse in Skandinavien, mit dem ihn mehr verbindet als mit Bayern, fest im Blick. Aber wirklich daheim ist der Hamburger Kosmopolit im Grünen, das er mitten in seiner Stadt vorfindet keine zehn Minuten vom Bürosessel und der Internetleitung entfernt. Hier beginnt das eigentliche Hamburg, das kombinierte BadenBaden und Starnberg des Nordens, der Kurort der Tennis, Hockey und Ruderclubs, wo Anlegestege und Parkterrassen Freizeitgemütlichkeit der gehobenen Art offerieren.
Am besten läßt sich die angenehm bigotte Lebensweise dieser ländlichen Großstädter mit einem gemieteten Boot erkunden. An einem der windigen Sommertage, von denen es hier so viele gibt, tauche man die Ruder eines Kanus ins Alsterwasser und fahre ein in das Schattenreich der Kanäle von Winterhude oder Uhlenhorst. Es wird dann ganz still, nur hier und da kommt eine Ente angeschwommen, und von oben hört man Möwen kreischen. Gärten, halbe Parks ziehen sich am Ufer entlang. Spielgeräte, Baumhäuser für die Kinder sind verlassen; in einem Korbsessel sitzt hier und da ein matter Rentner, dem die Zeitung auf die Knie gesunken ist. Oder ein paar Omas haben sich zum Plausch auf einer Bank unter einer Esche versammelt.
Auf der asphaltierten Vorderseite dieses Idylls parken Zweit oder Drittwagen, jederzeit bereit, ihre Besitzer ins Getümmel der City zu fahren. Doch nach hinten heraus herrscht die Stille der Marschlandschaft, die vom Gluckern des Wassers nur verstärkt wird. Hamburg als Stadt, so merkt man erst hier, gibt es eigentlich nicht. Denn wo wäre das Zentrum dieser Grünanlage auszumachen, wenn nicht hier?
Bewohner, die aus der zentralisierten Hektik von London, Rom, Paris nach Hamburg kommen, suchen vergeblich die Mitte. Wo sich daheim bei ihnen ein konzentrisches Chaos um den herrscherlichen Kern legt, geht es in Hamburg breit und gemütlich zu. Die Stadt geht auf in ihrer eigenen großräumigen Peripherie und eignet sich gerade dadurch als Idealstadt westdeutscher Wohlhabenheit, als Villengroßstadt der gar nicht so mageren Schicht der Wohlstandsgewinnler. Da legt man auf den Schmuddel und die Unüberschaubarkeit anderer, nicht medialer Metropolen keinen Wert. Bis heute führt nicht einmal eine UBahn zum Flughafen, und auch einen Autobahnring hat es bis jetzt nicht gebraucht: Das Verkehrschaos in Köln oder Frankfurt ist um Dimensionen schlimmer.
Und doch spielt Hamburg als deutsche Metropole in der ersten Liga. Den Rang hat sich die Stadt verdient, sie nennt sich stolz eine Medienmetropole, aber in Wahrheit ist sie selbst ein Medium, das sich aus den verschiedenen Milieus konstituiert, die sich die Bürger im Lauf der Jahrhunderte kunstvoll aufgeschüttet haben: südliches Flair im Norden, Hochsee im Binnenland, Puff und Mafia im Freizeitpark, Stadtrepublik im Flächenstaat, Schweißgeruch in der reichsten europäischen Agglomeration. Hamburg und dies verschafft der Stadt im Computerzeitalter der allgegenwärtigen Simulation eine gesicherte Zukunft und läßt die Bewohner mit milder Ironie auf das verbissen bedeutsame Berlin blicken ist eine virtuelle und gerade darum eine wundervolle Metropole. Das echte Leben soll ruhig draußen stattfinden, die Hamburger bespielen ihre Bühnen. Eine der bekanntesten davon lernen wir an unserer nächsten Station kennen.